Quo vadis Kartonmodellbauwelt?

Was ist bloß los in der Kartonmodellbauwelt?

Seit einigen Wochen oder gar Monaten ist viel Bewegung und Diskussionsbedarf in der Kartonmodellbauwelt. Ich möchte an dieser Stelle mal so einige Dinge zusammenfassen und sie vorsichtig kommentieren oder offene Fragen stellen.

  • Da meint ein bekannter, sich schon lange auf dem Markt befindlicher Verlag aus Wilhelmshaven, er dürfe weiterhin gewisse Modelle drucken und verkaufen, obwohl ihm das per einstweiliger Verfügung untersagt wurde, weil er u.a. gegen das Urheberrecht verstößt. Warum macht diese Person bzw. dieser Verlag das? Die Rechte des Bogens liegen eindeutig beim Konstrukteur und wenn dieser ablebt, dann bei dem oder den Erben, aber niemals bei dem Verlag – es sei denn, es gibt entsprechende Verträge, doch das ist dann etwas ganz anderes.
    Insbesondere die Aktionen um die Fregatte Klasse 122 sind zwingend erwähnenswert, weil Herr W. der Ansicht ist, dass er nicht gegen das Urheberrecht verstößt, da ja schließlich jeder das Modell hinbekommen würde. Soll heißen, der Verlag gibt vor und der Konstrukteur macht. Dabei sei es egal welcher Konstrukteur es macht, es ja käme ja sowieso immer das gleiche Ergebnis heraus. Deshalb dürfe er alle Modelle scannen, umfassend verändern und wieder auf den Markt bringen.
    Liebe Konstrukteure, seid ihr der gleichen Meinung? Ich kann mir kaum vorstellen, dass jeder Konstrukteur beispielsweise den EGV genauso – also 1:1 – hinbekommen hätte, wie er von Piet konstruiert wurde. Ich selbst habe beim Zollkreuzer viele Teile anders gezeichnet, als Piet sie ursprünglich vorgesehen hat. Das ist doch die künstlerische Freiheit des Konstrukteurs und somit habe ich ein Urheberrecht darauf.
  • Dann gibt es jemanden, der sich neuerdings besonders berufen fühlt, das Urheberrecht der Konstrukteure extremst zu verteidigen. Dieser Verlag verurteilt diejenigen, die rechtmäßig erworbene Modelle ohne eine ausdrückliche Genehmigung des herausgebenden Verlages/Konstrukteurs skalieren oder umfärben als „Verbrecher“. Es wird in dem Verlag die Auffassung vertreten, dass mit dem Kauf eines Kartonmodellbogens der Käufer lediglich die Erlaubnis erhalte, den Bogen zu verschenken, zu archivieren und zu bauen. Jede Veränderung ohne ausdrückliche Genehmigung sei unzulässig und ein Verstoß gegen das Urheberrecht.
    Aber worum geht es hier eigentlich? Will der Verlag seine eigenen Endkunden abmahnen? Also genau diejenigen, von denen dieser Verlag lebt und die den Markt überhaupt ermöglichen? Will dieser Verlag tatsächlich den Kartonmodellbaumarkt zerstören?Viele Verlage und Konstrukteure haben mittlerweile verkündet, dass dem Verändern der Modelle nichts entgegen spricht. In seinen eigenen vier Wänden kann der Käufer ohnehin mit dem Model machen, was man will. Etwas anders sei es bei Veröffentlichungen als Baubericht in einem Forum, auf einer Homepage/Blog oder auf Ausstellungen. Dann sollte auf jeden Fall darauf hingewiesen werden, dass ein Modell gesupert und/oder verändert wurde.
  • Ebenfalls aus Heidelberg bekamen Onlineshops, die Kartonmodellbaubögen anboten, nach Ostern unangenehme Post. Mit anwaltlichem Schreiben wurden Fehler in der Widerrufsbelehrung der geprüften Onlineshops bemängelt und gleichzeitig eine Abgabe von Unterlassungserklärungen eingefordert. Eine Kostenrechnung über knapp 900 EUR war beigefügt. Dieser Betrag ist für viele Kleinverlage kaum zu stemmen, so dass die Betreiber ihre Shops bisher vom Netz genommen haben und auf das Internetgeschäft verzichten müssen. Auftraggeberin für diese unsägliche Abmahnserie ist übrigens Frau Gerlinde Schahn, die Betreiberin des Kartonmodellbaushops „kamobo“ und die sich auch öffentlich dazu bekennt.
    Ehemann ist Marian Schahn, der als Vertretungsberechtigter der „London Papers LTD“ auftritt und über diese Limited ein deutsches Modellbauforum betreibt. Sinn oder Unsinn – ein Schelm, wer Böses dabei denkt.
    NACHTRAG: Und dann ist da ja auch noch das IfKCA dessen 1.Vorstandsvorsitzender laut Impressum ein Herr Marian Szymaniak ist. Ist dann nun auch abmahnfähig, weil er falsche Personalien angegeben hat?

    Impressum des IfKCA vom 25.05.2015

    Impressum des IfKCA vom 25.05.2015

    Witzigerweise bin ich vor kurzem bei einer Recherche zum Eisbrecher „Stephan Jantzen“ im Facebook über folgenden Beitrag vom 21.01.2015 gestolpert:

    Eisbrecher -Facebook

    Hat der Eisbrecher schon im Januar gewusst, was über die Kartonbauwelt hereinbrechen wird? Na, ist wohl nur ein Zufall und eine Duplizität der Ereignisse.

    • Was hat sich nun durch diese Abmahnserie geändert? Fast alle Online-Shops im Kartonmodellbau sind geschlossen und die Kleinverleger faktisch vom Markt verschwunden. War das letztendlich das Ziel? Und dafür bekommt jemand auch noch Geld? Geht es dem eigenen Shop so schlecht, dass man zu solchen Mitteln greifen muss, um Geld zu verdienen? Was ist mit den anderen Verlagen, die nicht abgemahnt wurden? „Nachtigall, ick hör dir trapsen!!!“ (für die englischsprachige Limited hier die Übersetzung: „I can tell which way the wind is blowing“). Gibt es da womöglich Absprachen, von denen wir gemeinen Kartonmodellbauer nichts wissen?
    Wie kann jemand mit dieser nicht nur moralisch verwerflichen Abmahnserie durchkommen? Und was passiert, wenn diese Personen aus Heidelberg sich nun vermehrt auf den Plastikmodellbaubereich stürzen, in dem sie zunächst ein paar Plastikmodellbausätze in ihr Sortiment aufnehmen, um dann die kleinen Plastikmodellbaushops abzumahnen und dabei wieder von „Wettbewerbsverzerrung“ sprechen? Man kann nur hoffen, dass die überwiegend osteuropäischen Shopbetreiber in Deutschland sich resoluter dagegen wehren, als die Kartonmodellbaushops.
  • Und dann wäre da noch ein deutsches Forum, in dem die sich kritisch äußernden Mitglieder geschasst werden. Dort sind scheinbar nur noch sterile Bauberichte von annähernd perfekt gebauten Modellen zugelassen – so ist jedenfalls der Eindruck nach außen, den mir eine mittlerweile größere Anzahl von Modellbauern bestätigt hat. Die Betreiber sehen das natürlich ganz anders, ebenso müssen sich diese Betreiber offensichtlich auch nicht an die eigenen Forumsregeln halten – sie bezahlen ja schließlich für das Forum. Nachweislich müssten einige Betreiber/Moderatoren/Admins gemaßregelt werden, weil sie mindestens gegen ihren §2 – insbesondere dem „Trolling“ – verstoßen haben.
    Tja, und so nach und nach verlassen viele angesehene Modellbauer das vielleicht größte deutsche Kartonmodellbauforum und finden sich in einem anderen wieder zusammen. Andere schreiben kaum noch und halten sich extrem zurück, weil sie fürchten, dass auch sie gemaßregelt werden. Und so kommt es, dass nur noch wenig aktive Mitglieder mit Bauberichten am Start sind. Zurückbleiben wird irgendwann ein elitäres Forum mit engem Verlagsbezug und einer Handvoll aktiven Mitgliedern.

Ich kann für das Fortbestehen unseres wunderbaren und trotzdem preiswerten Kartonmodellbau-Hobbys nur hoffen, dass sich in naher Zukunft alle Aggressoren zusammenreißen und unser schönes Hobby wieder tatkräftig unterstützen, statt es zu boykottieren oder gar zerstören zu wollen, so wie es meines Erachtens aktuell mit dem Kartonmodellbaumarkt passiert ist.

11 Kommentare

  1. Ralph Edler

    Moin Andreas,
    endlich mal einer, der keine Angst hat, gewisse Dinge anzusprechen, anzumahnen. Ich habe keine Ahnung, was da wirklich läuft, aber die Situation ist erschreckend!
    Grüße aus dem Norden
    Ralph
    p.s. mach weiter so, ich bin immer wieder erfreut von Dir zu hören

  2. Peter Lincke

    Lieber Herr Jacobsen!
    Ich bedanke mich für Ihre klaren Worte!!!
    Es ist traurig,mitansehen zu müssen,wie geldgierige,egozentrische Euromaniaks Kleinkünstler wie Frau Stowasser oder Herrn Conrad(um nur zwei zu nennen)das Wasser abgraben und wir Kartonbauer nicht an solche Modelle herankommen.Die „Femina Heidelbergiensis“ sollte sich mal Asche auf ihr Haupt streuen.Neue Kunden gewinnt man so bestimmt nicht!!
    Der Frust musste mal raus.
    Grüße von der Westküste
    Peter Lincke

  3. Fiete

    Moin Andreas,
    das Problem mit dem Wilhelmshavener Verlag scheint sich wohl alsbald erledigt zu haben. Tja, damit geht dann eine Ära zuende und irgendwie haben wir ja alle mit den Modellen angefangen…
    Zu Heidelberg fällt mir nix mehr ein, das muss man nicht verstehen.
    Ansonsten möchte ich betonen, dass meine Modelle keineswegs perfekt gebaut sind…
    Beste Grüße und besten Dank für die klaren Worte
    Fiete

  4. Robert Hoffmann

    Als kleine Ergänzung:

    Herr Müller vom CFM Verlag und auch der MDK wurden ebenfalls abgemahnt.

    Verschont wurden nur WHV, Schreiber (wobei der Verlag offiziell Heidelberg nicht beliefert!) und RoKo, wobei auch hier die Geschäftsbeziehungen abgebrochen wurden.

    Die Vorgänge in Wilhelmshaven gehen ja noch deutlich weiter: durch gerichtliche Auseinandersetzungen mit ehemaligen Geldgebern ist man am Rande der Zahlungsunfähigkeit angelangt; vielleicht auch ein Punkt zur jetzigen Handlungsweise.

    Zu den Kleinverlagen ist noch zu ergänzen, dass es hier bald eine Lösung gibt und wir alle wieder in den Genuss der Modelle kommen.

    Mit besten Grüßen
    R.Hoffmann

  5. jabietz

    @Ralph: Ich habe schon immer Wahrheiten unverblümt ans Tageslicht gebracht. Es gibt nur nicht viele Menschen, die damit umgehen können. So wie ich bei zwei Modellbaubögen des einen Verlages in dem bekannten Forum geschrieben hatte, dass sie einfach nicht baubar sind, was mir später sogar indirekt der Verlag, aber insbesondere andere Bauberichte, die nicht beendet werden konnten, bestätigt haben.

    @Peter: Vielen Dank für den Kommentar und … weiter so.

    @Fiete: Du hast Recht, den WHV wird irgendwann das Zeitliche segnen. Dass wir alle irgendwo mit ihm „groß geworden“ sind und dem Verlag viel zu verdanken haben ist unbestritten.
    Deine Modelle sind schon ziemlich perfekt und deine Bauberichte (vorsichtshalber???) sehr neutral und von deiner Seite her trotzdem sehr informativ.

    @Hr.Hoffmann: Zum cfm, MDK und RoKo habe ich zwar andere Informationen, aber ich werde meinen Beitrag trotzdem ändern.
    Mir liegen zum WHV auch noch viel mehr Informationen vor, die ich hier aber nicht kund tun möchte.
    Es ist schön zu lesen, dass die Kleinverlage eine Lösung gefunden haben und ihre wunderbaren Modelle wieder an den Bastler bringen können.
    Bleibt für alle Kartonmodellbauer, die ihre Bauberichte weiterhin gerne in ihrem Forum veröffentlichen möchten, zu hoffen, dass Sie als Betreiber mehr Einfluss auf die Aktivitäten ihrer Mitbetreiber ausüben, so dass auch mal dusselige Kommentare oder ein wenig Füllfunk der Bastler akzeptiert wird und diese Texte nicht nur den Betreibern/Moderatoren/Admins(!) vorbehalten sind. Beispiele hierfür gibt es genügend, wo Betreiber/Moderatoren/Admins in ihren Beiträgen schreiben dürfen, was sie wollen. Hoffentlich heißt es jetzt nicht (Achtung Wortspiel:) „Na, denn hoff mann“.
    P.S. Im Übrigen habe ich Ihren Beitrag orthografisch korrigiert.

  6. Kurt-G.

    Moin Andreas,
    Du sprichst mir aus dem Herzen in allem, was Du geschrieben hast! – Danke für die klaren Worte. Und Stichwort Heidelberg: Gottlob hab‘ ich so viele Bögen gehortet, dass mir – egal was die da machen – mir das links am A… vorbeigehen kann. Also: Ich „supere“, also leb‘ ich…
    Gruß

  7. jabietz

    Ja, lieber Kurt, geht mir genauso. Ansonsten konstruiere ich einfach ein neues Modell. Allerdings muss man dann auch hinnehmen, dass Teile mit Kantenhöhen unter 1mm zu bauen sind. Diese Teile zu vervierfachen sieht nämlich von der Seite ziemlich dämlich aus und hätte mit Sicherheit zu durchaus berechtigter Kritik geführt. 😆

    Man könnte beim Haupthema „Quo vadis…“ aber auch noch weiter gehen und fragen, warum man viel Geld für einen Bogen bezahlen soll, wenn man ihn anschließend auch noch selbst ausdrucken muss. Da jammert (noch) keiner über die schlechte Qualität. Warum bloß nicht? Einerseits kann der Offsetdruck nicht gut genug sein und dann begnügt man sich andererseits mit Tintenstrahldruck der bis vor kurzem nur für Kontrollbauten in Ordnung war? Hilfe! Quo vadis Kartonmodellbau?

  8. Albrecht Baier

    Hallo Kartonbauer, es scheint im Moment eine sehr schlimme Zeit für die meisten der Kartonbauer zu sein. Was jetzt auch noch Verlage (Heidelberg etc) so treiben ist schon grenzwertig. Von Foren ist man ja ähnliches bereits seit langem gewöhnt.
    Vor langer Zeit war ich auch mal Mitglied im größten Kartonbau Forum in Deutschland. Aber die Hinterfotzigkeit der „regierenden“ Mitglieder hat mich bewogen für mich allein zu bauen und auf ein totalitäres Forum zu verzichten. Der Ton dort hat sich bis heute nicht geändert.
    Bleibt zu hoffen das es in der Kartonmodellwelt mal irgendwann etwas gesitteter zugeht.
    Gruß Albrecht

  9. Albrecht Baier

    Noch ein Nachtrag, weil es mir gerade noch einfällt:
    In der deutschen Kartonbauszene, sprich in den entsprechenden Foren, werden sehr gerne
    Probleme von außen vertuscht. So wie die Herrschaften aus Heidelberg, die sich gerade daneben benehmen. Nur mal als Fallbeispiel.
    In welchem Kartonforum gibt es eine Stellungnahme oder Meinungen dazu?
    In keinem!
    Diskussionen unerwünscht. Lieber, wenn schon nicht über Kartonbau, dann über harmlose Sachen wie Mopeds oder Musik diskutieren.
    Bundesweit von allen Betreibern diverser Kartonbauforen, werden solche Dinge totgeschwiegen.
    Mitglieder haben keine Ahnung was in der Kartonbauwelt vor sich geht, nur ein kleiner Kreis erlesener Admins und Schulterklopfer ist natürlich über alles informiert. Die Masse hat still zu sein. Man könnte ja unterschiedlicher Meinung sein, oder es ist einer dabei, der nicht in Seilschaften untereinander verstrickt ist und sich eine eigene Meinung leistet.
    Deshalb ein dickes Minus an viele Betreiber von deutschen Kartonbauforen.
    Sonnt Euch weiter in eurer Unfehlbarkeit

    Gruß Albrecht

  10. jabietz

    Moin Albrecht
    Ich lasse deinen Kommentar gerne stehen und gebe dir, nicht nur was die Betreiber betrifft, absolut Recht.
    Lieben Gruß

  11. Thomas Köhler

    Ich kann verstehen, dass in den Foren Diskussionen zu den Herrschaften aus HD unerwünscht sind. Bei denen ist ja der Abmahnanwalt gleich bei der Hand und wahrscheinlich keiner der Betreiber hat Lust sich bei seinem Hobby mit Anwälten und deren Kosten rumzuärgern.

    Aber es sollte auch noch daraufhingewiesen werden, dass es ein zweites relativ gut besuchtes deutsches Kartonmodellforum gibt. Das jedoch dadurch auffällt, dass eine rigide Einlasskontrolle dafür sorgt, dass nur den Betreibern genehme Personen Mitglied werden können. Da gibt es dann natürlich auch keine Probleme mit abweichenden Meinungen, da die schon bei der Anmeldung rigoros aussortiert werden. Ein Reinschnuppern, Fragen stellen etc. ist nicht möglich und ein Neuling muss wahrscheinlich gleich einen fünfseitigen Baubericht vorweisen können, um überhaupt als Forenmitglied akzeptiert zu werden.

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