„Mellum“ – Spantengerüst und Arbeitsdeck

Dieses Modell war im August 2006 mein Wiedereinstiegsmodell in den Kartonbau. Mittlerweile gibt es die dritte Auflage des Bogens und den habe ich hier verwendet, um eine neue und vernünftige „Mellum“ im Regal stehen zu haben. Meine erste Version aus 2006 existiert zwar auch noch, hat aber schon einige Manöverschäden aus diversen Ausstellungen, Treffen und Messen abbekommen.

Infos zum Modellbaubogen
Das Modell wurde von Peter Brandt konstruiert. Die 10 Bögen sollen 1179 Teile mit Alternativteilen enthalten. Die Länge des Modells wird 29,4 cm betragen und der Maßstab ist 1:250. Neun Seiten Bauanleitung komplettieren den Kartonmodellbaubogen. Zum Verfeinern gibt es einen Lasercutsatz mit 361 Teilen auf 13 farbigen Platinen, den ich größtenteils auch verwenden werde. Das Modell beschreibt den Zustand von 1984, also noch mit dem verkürzten Rumpf.

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Ich will nun bestimmt nicht alle Bauschritte ausführlich beschrieben, aber trotzdem zeigen, wie ich die Klebelaschen der Grundplatte von der Rückseite rille. Um auf der Rückseite die gestrichelte Linie zu bekommen, gibt es mehrere Möglichkeiten. Früher habe ich die Grundplatte gegen eine Fensterscheibe gedrückt und dann mit einem Bleistift meist freihändig die Linie auf die Rückseite kopiert. Heute steche ich mit einer Stecknadel von der bedruckten Seite durch den Karton und kann anschließend mit einer Reißnadel, die ich an einem handelsüblichen Malerspachtel entlang ziehe, auf der Linie rillen.

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Und wenn die Grundplatte und alle Längs- und Querspanten ausgeschnitten sind, dann liegen 19 Teile auf der Schneidmatte.

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Die ausgeschnittenen Querspanten kommen alle mit der bedruckten Seite nach achtern auf den Mittelspant – so auch der Spant 12, der mehrfach zu knicken ist.

Auf dem nächsten Bild hat auch schon die Heckrolle 16a-c ihren Platz auf den Spanten 3a-c gefunden.

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Im nächsten Schritt habe ich das Deck 16 vorbereitet. Da ich den Lasercutsatz mit seinen Relings verwenden werde, habe ich beim Arbeitsdeck die Reling etwas gekürzt und nach unten geknickt, um sie später als Klebelasche für die Bordwände verwenden zu können. Die Klüsen des inneren Schanzkleides sind ebenfalls ausgestichelt. Nach dem Kantenfärben kam das Deck dann auch schon auf das Spantengerüst und die Stringerspanten 17-a vorne zwischen die Querspanten. Damit es auch am Heck gut passt, ist ein sauberes Vorformen im Bereich der Heckrolle geboten. Auf dem ersten Bild sind auch schon die Teile der Aufbauwand 18 abgebildet, die als nächstes verarbeitet werden.

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Die erste Aufbauwand 18-a besteht bei mir aus insgesamt 23 Bauteilen. Hier kommen auch die ersten Lasercutteile (5 schwarz gepönte Handräder und ein Gitter) sowie Verglasung aus Antistatikfolie ins Spiel.

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An dieser Stelle ein paar Sätze aus meiner Erfahrung zum Spantenverstärken: Die Spantabstände sind meines Erachtens so gewählt, dass sie ausreichend Stabilität bieten. Sobald ich das Spantengerüst auf die Grundplatte geklebt habe, kommen gleich Gewichte drauf; Trockenzeit (UHU Flinke Flasche) ist mindestens eine Nacht. Nachdem das Deck drauf ist, kommen gleich wieder Gewichte drauf – auch mindestens für eine Nacht. Wenn die Bordwände dran sind, kommen gleich wieder die Gewichte drauf; ebenfalls über Nacht. Eigentlich habe ich immer Gewichte auf dem Rumpf/den Decks stehen, so lange ich den Rumpf nicht in die Hand nehmen muss. Das zieht sich über den gesamten Bau hin. Wie soll sich noch etwas verziehen, wenn der Kleber trocken ist? Klar, die Luftfeuchtigkeit ist dem Karton nicht unbedingt freundlich gesonnen, aber selbst mein Zerstörer „Mölders“, den ich vor einigen Jahren komplett als Tintenstrahldruck gebaut habe, hat sich trotz des großen Spantabstandes der alten WHV-Modelle nicht verzogen. Einzig die beim Zerstörer verwendete Ätzteilreling widersetzt sich der Luftfeuchtigkeit und biegt sich mal in die eine oder andere Richtung. Deshalb setze ich heute auf Lasercutreling.

Also, ich werde auch zukünftig keine Spanten, Grundplatten oder Decks verdoppeln, wenn es nicht ausdrücklich vom Konstrukteur so vorgesehen ist. Der Mehraufwand steht (aus meiner ureigenen Erfahrung gesehen) in keinem Verhältnis zum Nutzen. Des Weiteren sind durch die Kartonverdoppelungen die Maße der anderen Teile zu berücksichtigen. Verdoppelt man das Deck, dann muss der darunter liegende Spant unbedingt um eine Kartonstärke plus Kleber gekürzt werden, also etwa 0,2mm, und das berücksichtigt leider nicht jeder Bastler. Somit können Differenzen zustande kommen, die normalerweise nicht auftreten würden.

Wie gesagt, das ist meine Erfahrung und jeder soll selbst entscheiden, wie er vorgeht. Ich gebe nur zu bedenken, dass jede Änderung der Originalteile eines Bogens Folgefehler mit sich bringen und dann meistens den Ruf nach einem schlecht kontrollgebauten Bogen nach sich ziehen. Vielleicht noch so viel: bei Kontrollbauten von Piets Konstruktionen haben wir beide manchmal über Zehntel Millimeter geredet, die er hier oder da zugeben muss, weil irgendwo eine Querwand oder auch nur die Kleberschicht nicht berücksichtigt wurde. Das wird nicht bei allen Verlagen so gemacht.

Und noch etwas zum Bauen von eingescannten Baubögen: bauen von eingescannten Bögen, die mit dem einfachen Home-Scanner für 70€ oder einem Multifunktionsdrucker für 150€ erstellt wurden, setzen voraus, dass unbedingt „Original“ und „Fälschung“ verglichen werden müssen. Mein derzeitiger Scanner (Epson  XP-700) beispielsweise skaliert vertikal auf 100,8% und horizontal auf 99,4% und das ist unbedingt zu berücksichtigen, weil das bei 10cm schon einen Unterschied von 0,8mm ausmacht. Das entspricht etwa 5 (!!!) Kartonstärken. Bei 25cm langen Bordwandteilen macht das dann schon 2mm aus. 2mm an Backbord plus 2mm an Steuerbord und schon fehlen am Bug oder Heck 4mm. Deshalb kann ich  Bastlern, die einen gescannten Bausatz bauen wollen, nur den Tipp geben, die Längen und Breiten der Teile mit einem Bildbearbeitungsprogramm entsprechend zu korrigieren.

4 Kommentare

  1. Fiete

    Moin Andreas,
    Deinen Ausführungen zum „Spantenverstärken“ kann ich nur uneingeschränkt zustimmen. Wenn man immer wieder hört oder liest, dass Spantengerüste und auch Decks bei HMV-Modellen viel zu „labberig“ seien, dann bin ich immer ziemlich fassungslos. Wenn man seine Rümpfe so baut, wie Du es geschildert hast, dann hat man ein absolut stabiles und verwindungsfreies Teil. Warum soll ich also Zeit und Material darauf verschwenden, nachhaltig in die Konstruktion einzugreifen, wenn das gar nicht erforderlich ist?
    Nein, auch ich kann nur ganz dringend davon abraten.
    Beste Grüße
    Fiete

  2. jabietz

    Moin Fiete

    Vielen Dank für deinen Kommentar. Ich sehe, ich bin mit meiner Meinung nicht allein. Manchmal hatte ich auch gedacht, dass eine Verdoppelung des jeweiligen Decks sinnvoll sein könnte, aber wenn ich das Deck dann eingebaut habe, dann hatte ich eine andere Erkenntnis.

    Aktuell stelle ich mir dieselbe Frage bei der Ausführung des Sonnendecks der „Rungholt“, werde mich aber wohl auch hier, wie schon beim zugehörigen Autodeck, gegen eine Verdoppelung entscheiden. Mal sehen…

    Lieben Gruß
    Andreas

  3. Fiete

    Moin Andreas,
    bei einer Neukonstruktion – und das wäre die RUNGHOLT ja wohl – kann man das ja entsprechend von Anfang an vorsehen, also Spantengerüst usw. entsprechend anpassen. Gerade bei dem Deck über dem Autodeck, das ja durch keinerlei Spanten unterstützt wird, könnte eine Verdoppelung hilfreich sein. Meine Anmerkungen bezogen sich auf nachträgliche (und in meinen Augen unsinnige) nachträgliche Verdoppelungsaktionen…
    Beste Grüße
    Fiete

  4. jabietz

    Moin Fiete

    Ich habe schon verstanden was du meinst.

    Für die Konstruktion des Zwischendecks der „Rungholt“ habe ich mir etwas anderes überlegt – du hast dazu eine Mail. Zum Nordlichtertreffen bringe ich dann etwas „Diskussionsmaterial“ mit.

    Lieben Gruß
    Andreas

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