Fregatte „LÜBECK“ schützt die „LIBERTY“

Autor: PAO Atalanta – Quelle: www.einsatz.bundeswehr.de

„2400 Tonnen Handelsgüter, 200 Tonnen Hilfsgüter, 166 Tonnen Frischwasser, 255 Tonnen Treibstoff“, antwortet sein Offizier, als Richard Phillips, gespielt von Tom Hanks, nach der Beladung des Containerfrachters „Maersk Alabama“ fragt, den er als Kapitän führt. Von Salalah im Oman führt die Route des Schiffs im Film „Captain Philips“ durch den Golf von Aden zunächst nach Djibouti. Auf der Weiterfahrt durch das somalische Becken muss man die gesicherte Schifffahrtsstraße verlassen, das Schiff ist auf sich allein gestellt. „Dann lassen Sie uns die Sicherheitsvorkehrungen verstärken. Wir umfahren das Horn von Afrika, oder?“, fragt der Kapitän im Film. Später wird die „Maersk Alabama“ von Piraten angegriffen.


Die „Liberty“ fährt für das Welternährungsprogramm (Quelle: Bundeswehr/PAO Atalanta)

Die Fregatte „LÜBECK“ begleitete vom 9. Januar bis zum 19. Januar die MV „Liberty“ von Mombasa (Kenia) nach Kismayo im Süden Somalias. Damit erfüllte die Fregatte erfolgreich den Hauptauftrag der EU-Operation Atalanta: Schutz und Geleit von Transporten des Welternährungsprogramms (WFP).

64 Meter lang und 10,5 Meter breit ist der Frachter. Geladen hat er 820 Tonnen Plumpynuts, nahrhafte und kalorienreiche Erdnusspaste für die notleidende somalische Bevölkerung. Wichtig ist, dass der Transport unversehrt den hilfebedürftigen Menschen zugute kommt – auch ohne eigenes Sicherheitsteam an Bord des Frachters.


Zehn Tage dauert der Eskort nach Kismayo, ursprünglich sollte es bis nach Mogadischu gehen (Quelle: Bundeswehr/PAO Atalanta)

Genaue Vorbereitungen sind die Grundlage


Offiziere der Fregatte „LÜBECK“ an Bord der „LIBERTY“ (Quelle: Bundeswehr/PAO Atalanta)

Fünf nautische Meilen vor der Hafeneinheit Mombasas treffen sich beide Schiffe für ein sogenanntes „Face to Face Briefing“. Noch am Treffpunkt fahren einige Offiziere der „LÜBECK“ mit dem Speedboot zum Frachter, um alle Details mit dem Kapitän der „LIBERTY“ zu besprechen.

Parallel prüft der Antriebsoffizier der „LÜBECK“ den Zustand der Maschinen des Frachters, um bei einem eventuellen Motorschaden unterstützen zu können. Um Ortskenntnis zu erlangen, sieht sich der Boardingoffizier der „LÜBECK“ das Oberdeck sowie die Räumlichkeiten unter Deck ganz genau an.

„Zu den Vorbereitungen gehören unter anderem, die Kommunikationswege festzulegen, Signalwörter abzusprechen und das eskortierte Schiff darüber aufzuklären, wie es sich bei einem Piratenangriff zu verhalten hat“, erläutert der I. Schiffseinsatzoffizier, Kapitänleutnant Benedikt E. Bereits im Vorfeld hatte er Kontakt zum Ansprechpartner des WFP für Somalia in Nairobi aufgenommen. Mindestens genauso wichtig ist die Zusammenarbeit mit den Behörden im Start- und Zielhafen und dem Schiffsagenten vor Ort.

Der II. Führungsmittel- und Waffeneinsatzoffizier, Kapitänleutnant Stefan P., hat den Eskort geplant. Er legt die Route fest, hält laufend Kontakt zum Master der „LIBERTY“ und weist die gesamte Besatzung des Frachters in Notfallverfahren ein.


Immer auf Tuchfühlung – optimaler Schutz für die „LIBERTY“ (Quelle: Bundeswehr/PAO Atalanta)

Während des Transits hat die deutsche Fregatte die Sicherheit des anvertrauten Schiffs im Blick. Die „LÜBECK“ bleibt während der Fahrt nicht auf ein und derselben Position. Sie manövriert so, dass der Schutz der „LIBERTY“ jederzeit gewährleistet ist.

Dazu hält die Fregatte sich in einem Abstand von rund 450 bis 2000 Meter hinter dem Transporter auf. Bei einem möglichen Angriff würde der Abstand deutlich verringert werden. „Ein Kriegsschiff kann im Ernstfall am besten mit allen nötigen Sensoren und Effektoren agieren, wenn es hinter dem Frachter steht. So können wir jederzeit beschleunigen und dem zu schützenden Schiff zur Seite stehen.“, erläutert der II. Führungsmittel- und Waffeneinsatzoffizier.

Bedingung und Ablauf

Für die Kommunikation während der Fahrt vereinbart man spezielle Signalwörter, damit keine anderen Schiffe oder mögliche Piraten den Informationsaustausch entschlüsseln können. Ebenso wichtig ist, einen ausreichenden Abstand zur Küste einzuhalten. Zum einen, um nicht gesehen zu werden. Zum anderen, weil bei größerer Entfernung zur Küste der Seegang zunimmt. Damit haben es vermeintliche Piraten schwerer, mit ihren kleinen Booten anzugreifen. Ab einer Entfernung von 30 Seemeilen zur Küste ist während des Nord-Ost-Monsuns auch die Strömung geringer, was die Fahrt des vergleichbar kleinen Frachters zusätzlich erleichtert.

Flexibilität ist gefragt


Bei zwei Metern Seegang schaukelte es die „LIBERTY“ ordentlich durch (Quelle: Bundeswehr/PAO Atalanta)

500 Seemeilen (rund 920 km) gemeinsam in Richtung Norden – da ist das Ziel. Die anfangs geplante Strecke verläuft von Mombasa nach Mogadischu. Doch die nautischen Bedingungen fordern Flexibilität. Bei einem Gegenstrom von fünf Knoten (etwa neun km/h) im Indischen Ozean schafft die „LIBERTY“ lediglich eine durchschnittliche Geschwindigkeit von 1,5 Knoten (etwa drei km/h).

Zum Vergleich: Man stelle sich die Strecke von Berlin nach München und wieder zurück vor, mit einer festgelegten Geschwindigkeit von nur drei km/h. Zehn Tage müsste man dafür einplanen. Hinzu kommt noch der Seegang. Während bei zwei Metern See die Fregatte „LÜBECK“ recht ruhig im Wasser liegt, wird die „LIBERTY“ regelrecht durchgeschaukelt. Immer wieder taucht ihr Bug in die Wellen ein.

Nach acht Tagen verschlechtern sich die Bedingungen deutlich. Der Gegenstrom wird stärker, so dass der Frachter kaum noch von der Stelle kommt. Auch der Kraftstoff neigte sich dem Ende zu, so muss eine Entscheidung getroffen werden. Der nächstgelegene Hafen von Kismayo im Süden Somalias wurde nun das neue Ziel.

Kismayo liegt etwa auf der Hälfte der ursprünglich geplanten Strecke. „LIBERTY“ und „LÜBECK“ ändern ihren Kurs. Da auch für die folgenden Tage widrige Wetterbedingungen vorhergesagt sind, tritt „Plan B“ des Welternährungsprogrammes in Kraft: Die Güter werden nun auf dem Landweg nach Mogadischu gebracht.

Mission completed


„Plan B“ tritt in Kraft – der Hafen von Kismayo ist im Hintergrund schon zu erkennen (Quelle: Bundeswehr/PAO Atalanta)

Sicher liefert die Fregatte „LÜBECK“ das Frachtschiff vor der Hafeneinfahrt von Kismayo ab. Die örtlichen Hafenbehörden übernehmen die Verantwortung und die „LIBERTY“ läuft mit ihrer Ladung in den neuen Zielhafen ein. Im Anschluss nimmt die Fregatte „LÜBECK“ bereits wieder Kurs Richtung Südosten und folgt ihrem nächsten Auftrag.

„Mit dem Bewachen eines Schiffes des Welternährungsprogrammes haben wir die primäre Aufgabe der Mission „Atalanta“ erfolgreich erfüllt. Trotz der Widrigkeiten auf See konnten wir somit einen großen Beitrag zur humanitären Hilfeleistung für die somalische Bevölkerung leisten“, resümiert der Kommandant der Fregatte „LÜBECK“, Fregattenkapitän Peter Christian Semrau.

 

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