{"id":5384,"date":"2014-07-24T06:00:48","date_gmt":"2014-07-24T04:00:48","guid":{"rendered":"https:\/\/jabietz.de\/kartonmodellbau\/?p=5384"},"modified":"2021-08-06T16:01:28","modified_gmt":"2021-08-06T14:01:28","slug":"viermastbark-passat-das-original","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/jabietz.de\/kartonmodellbau\/?p=5384","title":{"rendered":"Viermastbark &#8222;Passat&#8220; &#8211; Das Original"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Als Ersatz f\u00fcr das im November 1910 verlorengegangene F\u00fcnfmastvollschiff &#8222;Preussen&#8220; wurde am 2.M\u00e4rz 1911 bei der Hamburger Werft Blohm &amp; Voss der Kiel f\u00fcr die Viermastbark &#8222;Passat&#8220; \u00a0gelegt. Am 20.September fand der Stapellauf statt und am 25.November 1911 wurde sie seefertig ausger\u00fcstet abgeliefert. Der Preis betrug 680.000 Mark.<\/p>\n<p>Patin war Frau Gertrud Grau und der Taufspruch lautete:<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong><span style=\"font-family: 'comic sans ms', sans-serif;\">Der Sturm bedroht in der Nordsee den Segler.<\/span><\/strong><br \/>\n<strong><span style=\"font-family: 'comic sans ms', sans-serif;\">Dichter Nebel im verkehrsreichen Kanal bereitet Gefahr.<\/span><\/strong><br \/>\n<strong><span style=\"font-family: 'comic sans ms', sans-serif;\">Des Ozeans ganze Wucht trifft ihn in der Biscaya.<\/span><\/strong><br \/>\n<strong><span style=\"font-family: 'comic sans ms', sans-serif;\">Erst wenn der Wendekreis \u00fcberschritten,<\/span><\/strong><br \/>\n<strong><span style=\"font-family: 'comic sans ms', sans-serif;\">zieht mit den vom Passat geschwellten Segeln<\/span><\/strong><br \/>\n<strong><span style=\"font-family: 'comic sans ms', sans-serif;\">das Schiff in schnellem Lauf seinem Ziele zu.<\/span><\/strong><br \/>\n<strong><span style=\"font-family: 'comic sans ms', sans-serif;\">M\u00f6gen g\u00fcnstige Winde Dich, Du stolzes Schiff,<\/span><\/strong><br \/>\n<strong><span style=\"font-family: 'comic sans ms', sans-serif;\">stets schnell und sicher in den sch\u00fctzenden Hafen geleiten.<\/span><\/strong><br \/>\n<strong><span style=\"font-family: 'comic sans ms', sans-serif;\">Diesem Wunsch soll Dein Name Ausdruck geben.<\/span><\/strong><br \/>\n<strong><span style=\"font-family: 'comic sans ms', sans-serif;\">Ich taufe Dich PASSAT!<\/span><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Unter dem Kommando des Kapit\u00e4ns Wendler trat das Schiff im Januar 1912 seine erste Reise nach Chile an. Sie erwies sich als vorz\u00fcglicher Segler und auf der zweiten Reise erreichte die &#8222;Passat&#8220; nach 73 Tagen, von der Elbe kommend, Valparaiso. Auf der f\u00fcnften Reise wurde die &#8222;Passat&#8220; vom ersten Weltkrieg \u00fcberrascht und verblieb fast sieben Jahre, bis zum 27.Mai 1921, im Hafen von Iquique (Chile). Die Reise unter Kapit\u00e4n Pieper f\u00fchrte von Chile nach Marseille. Dort wurde die Ladung, 4.700 t Salpeter, gel\u00f6scht und das Schiff aufgrund des verlorenen Krieges an Frankreich ausgeliefert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Franzosen hatten keine Verwendung f\u00fcr das Schiff und stellten es zum Verkauf. Am 22.12.1921 kaufte die Reederei Laeisz ihr eigenes Schiff f\u00fcr 13.000 \u00a3 zur\u00fcck. Am 3.1.1922 wurde die &#8222;Passat&#8220; wieder offiziell \u00fcbernommen. Zur Besatzung geh\u00f6rten zwei sp\u00e4tere Kapit\u00e4ne, Herrmann Heuer, 1952 Kapit\u00e4n der &#8222;Passat&#8220;, und Paul Greiff, 1952 Kapit\u00e4n der &#8222;Pamir&#8220;. Die &#8222;Passat&#8220; wurde wieder in der Salpeterfahrt eingesetzt und war hinsichtlich der Rentabilit\u00e4t von keinem Dampfer zu schlagen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">67 Tage vom Englischen Kanal nach Coral und zur\u00fcck in 75 Tagen mit 4.700 t Salpeter sind stolze Zeiten. Diese Reise fand 1927 statt<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Am 28.8.1928 kollidierte die &#8222;Passat&#8220;, unter vollen Segeln im Kanal laufend, mit dem franz\u00f6sichen Dampfer &#8222;Daphne&#8220; auf der H\u00f6he \u00a0von Dungeness. Nachdem die Besatzung des Dampfers \u00fcber den Kl\u00fcverbaum auf die &#8222;Passat&#8220; \u00fcbergestiegen war, lie\u00df Kapit\u00e4n Eilert M\u00fcller backbrassen und l\u00f6ste sich so aus der &#8222;Daphne&#8220;, die dann mit 2.000 t Erz in den Fluten versank. In der Werft in Rotterdam wurden die Sch\u00e4den an der &#8222;Passat&#8220; repariert und schon am 29.8.1928 konnte sie ihre Reise nach Chile fortsetzen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">8 Monate sp\u00e4ter kam es zu einer weiteren Kollision im Englischen Kanal. Am 25.6.1929, wieder lief die &#8222;Passat&#8220; unter vollen Segeln, rammte der englische Dampfer &#8222;British Governor&#8220; die &#8222;Passat&#8220; am Backbord Bug. Dieses Mal erlitt die &#8222;Passat&#8220; gr\u00f6\u00dfere Besch\u00e4digungen, doch es gelang das Schiff nach Rotterdam zur\u00fcckzubringen und bereits am 18.7.1929 konnte sie wieder in See gehen. Bis 1932 verblieb sie unter der Hausflagge der Reederei Laeisz und stellte ihren Ruf als schneller Segler unter Beweis.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die schwere Weltwirtschaftskrise zwang Laeisz die ber\u00fchmten Flying-P-Liner zu verkaufen. Nach der &#8222;Parma&#8220; und &#8222;Pamir&#8220; ging 1932 die &#8222;Passat&#8220; in die H\u00e4nde des finnischen Reeders Gustav Eriksen \u00fcber. Der Reederei Laeisz verblieben nur noch die &#8222;Priwall&#8220; und die &#8222;Padua&#8220;.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bis zum Ausbruch des zweiten Weltkrieges sollte die &#8222;Passat&#8220; noch sieben Reisen nach Australien durchf\u00fchren. Alle diese Reisen verliefen ohne gr\u00f6\u00dfere Havarien zum Wohle der Reederei. Die au\u00dferordentliche Seet\u00fcchtigkeit und seglerische Leistungsf\u00e4higkeit konnte sie auch unter der Kontorflagge von Eriksen unter Beweis stellen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Am 24.8.1939 ging die Viermastbark auf der gesch\u00fctzten Reede ihres Heimathafens Mariehamm (Aland-Inseln) vor Anker. 1944 wurde sie nach Stockholm geschleppt, um dort 1947 als Getreidespeicher zu dienen. Danach sollte sie nur noch eine Reise unter finnischer Flagge machen, die unter einem sehr schlechten Stern stand.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit dem Tod des bedeutenden Mannes Gustav Eriksen ging die Hoffnung, mit der finnischen Reederei die Tradition der Fracht tragenden Tiefwassersegler lebendig zu halten, zu Ende. Die nach zweiten Weltkrieg verbliebenen drei Segler, in der Bl\u00fctezeit waren es 21, wurden verkauft. Die &#8222;Pamir&#8220; und &#8222;Passat&#8220; wurden als Lagerr\u00e4ume an die englische Regierung verchartert. 1951 lief die Charter ab und beide Schiffe sollten in Antwerpen abgewrackt werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dies verhinderte ein Mann, der sich mit Leidenschaft f\u00fcr die gro\u00dfen Segelschiffe einsetzte und darin seine Lebensaufgabe sah, Kapit\u00e4n Helmut Grubbe. Ihm gelang es den Reeder Heinz Schliewen von seiner Idee zu \u00fcberzeugen, der dann den Ankauf der &#8222;Pamir&#8220; und &#8222;Passat&#8220; best\u00e4tigte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Am 20.6.1951 traf die &#8222;Passat&#8220; unter Kapit\u00e4n Grubbe in Travem\u00fcnde ein. Kurze Zeit sp\u00e4ter wurde das Schiff bei den Howaldtwerken in Kiel gr\u00fcndlich \u00fcberholt und modernisiert. Aus Gr\u00fcnden der Kostenersparnis, Schlepper waren zu teuer, wurde ein Hilfsmotor, ein ehemaliger U-Boot-Diesel mit 1000 PS, eingebaut, und am 12.2.1952 konnte die &#8222;Passat&#8220; als Fracht tragendes Segelschulschiff zu ihrer ersten Reise, wieder unter deutscher Flagge, von Brake nach S\u00fcdamerika auslaufen. Die F\u00fchrung hatte Kapit\u00e4n Hermann Heuer. 54 Kadetten befanden sich an Bord. Die zweite Reise unter Kapit\u00e4n G\u00fcnther ging wieder an die Ostk\u00fcste S\u00fcdamerikas und endete im Dezember 1952 in Aarhus (D\u00e4nemark). Das war auch gleichzeitig wieder einmal das Ende; die &#8222;Passat&#8220; wurde im Februar 1953 in Travem\u00fcnde aufgelegt. Die Reederei Schliewen hatte Konkurs gemacht und Kapit\u00e4n Grubbe wurde als Treuh\u00e4nder f\u00fcr die &#8222;Pamir&#8220; und &#8222;Passat&#8220; eingesetzt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Anfang 1957 \u00fcbernahm eine von deutschen Reedern gegr\u00fcndete Stiftung mit dem Namen &#8222;Stiftung Pamir und Passat&#8220; die beiden Schiffe, die nun unter der Kontorflagge von Zersen &amp; Co. fuhren. Unter dieser Flagge machte die &#8222;Passat&#8220; f\u00fcnf gl\u00fcckliche Reisen nach Argentinien und Uruguay, bis sie nach dem Untergang der &#8222;Pamir&#8220; 1958 erneut aufgelegt und dann 1959 endg\u00fcltig au\u00dfer Dienst gestellt wurde.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das ist das Ende der Fracht fahrenden Segelschulschiffe. Noch im gleichen Jahr wird die Viermastbark &#8222;Passat&#8220; f\u00fcr 315.000 DM an die Hansestadt L\u00fcbeck verkauft. Seitdem liegt der stolze Tiefwassersegler als letzter Zeuge des Segelschiffzeitalters in Travem\u00fcnde.\u00a0<span style=\"color: #252525;\">seit 1960 ist sie ein station\u00e4res <\/span>Museumsschiff<span style=\"color: #252525;\">,\u00a0<\/span>Jugendherberge <span style=\"color: #252525;\">und kann f\u00fcr Veranstaltungen gemietet werden<\/span><span style=\"color: #252525;\">. Seit 1978 steht die &#8222;Passat&#8220;\u00a0<\/span><span style=\"color: #252525;\">unter <\/span>Denkmalschutz <span style=\"color: #252525;\">und gilt heute als das Wahrzeichen von Travem\u00fcnde.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hier ein Bild von der 100Jahr-Feier des Viermasters, die im Mai 2011 in Travem\u00fcnde stattfand.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/jabietz.de\/kartonmodellbau\/wp-content\/uploads\/2014\/07\/100-Jahre-Passat.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\" data-lbwps-width=\"2000\" data-lbwps-height=\"1126\" data-lbwps-srcsmall=\"https:\/\/jabietz.de\/kartonmodellbau\/wp-content\/uploads\/2014\/07\/100-Jahre-Passat-300x168.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-5477 size-medium\" title=\"100 Jahre Passat\" src=\"https:\/\/jabietz.de\/kartonmodellbau\/wp-content\/uploads\/2014\/07\/100-Jahre-Passat-300x168.jpg\" alt=\"100 Jahre Passat\" width=\"300\" height=\"168\" srcset=\"https:\/\/jabietz.de\/kartonmodellbau\/wp-content\/uploads\/2014\/07\/100-Jahre-Passat-300x168.jpg 300w, https:\/\/jabietz.de\/kartonmodellbau\/wp-content\/uploads\/2014\/07\/100-Jahre-Passat-1024x576.jpg 1024w, https:\/\/jabietz.de\/kartonmodellbau\/wp-content\/uploads\/2014\/07\/100-Jahre-Passat.jpg 2000w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und noch ein Photo vom 28.Juni 2014 im Rahmen einer Lasershow zu Ehren des Nachbaus der Kraweel &#8222;Lisa von L\u00fcbeck&#8220;, die 10 Jahre alt wurde.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/jabietz.de\/kartonmodellbau\/wp-content\/uploads\/2014\/07\/Passat-Lasershow.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\" data-lbwps-width=\"2000\" data-lbwps-height=\"1124\" data-lbwps-srcsmall=\"https:\/\/jabietz.de\/kartonmodellbau\/wp-content\/uploads\/2014\/07\/Passat-Lasershow-300x168.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-5478 size-medium\" title=\"Passat Lasershow\" src=\"https:\/\/jabietz.de\/kartonmodellbau\/wp-content\/uploads\/2014\/07\/Passat-Lasershow-300x168.jpg\" alt=\"Passat Lasershow\" width=\"300\" height=\"168\" srcset=\"https:\/\/jabietz.de\/kartonmodellbau\/wp-content\/uploads\/2014\/07\/Passat-Lasershow-300x168.jpg 300w, https:\/\/jabietz.de\/kartonmodellbau\/wp-content\/uploads\/2014\/07\/Passat-Lasershow-1024x575.jpg 1024w, https:\/\/jabietz.de\/kartonmodellbau\/wp-content\/uploads\/2014\/07\/Passat-Lasershow.jpg 2000w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Ich erinnere gerne daran, dass das Copyright der Bilder allein bei mir liegt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Als Ersatz f\u00fcr das im November 1910 verlorengegangene F\u00fcnfmastvollschiff &#8222;Preussen&#8220; wurde am 2.M\u00e4rz 1911 bei der Hamburger Werft Blohm &amp; Voss der Kiel f\u00fcr die Viermastbark &#8222;Passat&#8220; \u00a0gelegt. 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