„LÜBECK“ auf dem Rückmarsch vom ‚Missile Firing Exercise 2020‘

Das regelmäßige große Flugkörperschießen der Deutschen Marine fand dieses Jahr erneut vor der Küste Nordnorwegens statt. Die Fregatten „Mecklenburg-Vorpommern“ und „Lübeck“ der Einsatzflottille 2 sowie die Korvette „Erfurt“ des 1. Korvettengeschwaders haben dabei zwischen dem 31. August und 8. September mehr als 30 gelenkte Raketen gegen Luft- und Seeziele verschossen – und ein Mehrfaches an Artilleriegranaten gegen Landziele.

Ihre Lenkflugkörper haben die Schiffe während der Nacht in einem sicheren Schießgebiet rund 20 Seemeilen nordwestlich der Lofoten-Insel Andøya gegen Zieldarstellungsdrohnen gestartet. Tagsüber dagegen haben die Fregatten und die Korvette mit ihren 76-Millimeter-Hauptkanonen östlich Andøyas im Andfjord in einem zweiten, kleineren Schießgebiet künstliche Ziele auf einer gesperrten Inselgruppe beschossen.

„Das besondere in diesem Jahr war, dass wir auch das sogenannte Landzielschießen, den Naval Gunfire Support, geübt haben“, erklärt Kapitän zur See Michael Sauerborn, Abteilungsleiter Operationen im Stab der Einsatzflottille 2 und Test Director für die Missile Firing Exercise (MFE) 2020. „Das ist eine Fähigkeit, die die Schiffe haben, die wir aber selten in Schießgebieten üben können.“

Die Fregatte „Lübeck“ verfeuert zwei ihrer Sea Sparrows auf ein erkanntes Ziel. Diese Übungen bei Nacht zu fahren, ist auch ein Novum für die Marine. (c) Bundeswehr/Marcus Mohr

„LÜBECK“ in Tromsö/Norwegen

Heute Vormittag hat die Fregatte „Lübeck“ in Tromsö/Norwegen längsseits der Fregatte „Mecklenburg-Vorpommern“ festgemacht. Die Korvette „Erfurt“ liegt etwas achteraus ebenfalls am Kreuzfahrtterminal.

„LÜBECK“ bleibt bis Dezember 2022 im Dienst

Das älteste Kampfschiff der Deutschen Marine, die vor 30 Jahren in Dienst gestellte Fregatte „Lübeck“, bleibt ein Jahr länger im Dienst als geplant. Das Schiff werde nun bis Ende 2022 genutzt und nicht Ende 2021 außer Dienst gestellt, teilte Marineinspekteur Andreas Krause mit. Grund sind Verzögerungen bei der Einsatzbereitschaft neuer Fregatten.

Vizeadmiral Andreas Krause machte die Verlängerung für die Fregatte am Dienstag via Twitter bekannt:

Nach Angaben der Marine wurde das geplante Nutzungsende der „Lübeck“ verschoben, weil die neuen Fregatten der Klasse F125 später zur Verfügung stehen als eigentlich geplant. Damit steht die Teilstreitkraft vor dem Problem, eingegangene Verpflichtungen unter anderem in der NATO mit ihren Kriegsschiffen auch erfüllen zu können.

Die „Lübeck“ ist die letzte noch genutzte von ursprünglich acht Fregatten der Bremen-Klasse (F122). Sie war im März 1990 in Dienst gestellt worden. Im jüngsten Bericht zur materiellen Einsatzbereitschaft der Bundeswehr vom Juni hatte die Marine gewarnt:

Wegen der Verkleinerung der Flotte in den letzten Jahren liegt die Einsatzbelastung weiterhin oberhalb des ursprünglich technisch ausgelegten Nutzungsprofils der Einheiten. Daraus resultierte im Bereich der schwimmenden und fliegenden Fähigkeitsträger ein überproportionaler materieller Verschleiß. In Verbindung mit Herausforderungen bei der Bereitstellung von Instandsetzungskapazitäten und Ersatzteilen und beim pünktlichen Abschluss von Instandsetzungen, führte das im Betrachtungszeitraum ein weiteres Mal dazu, dass die materielle Einsatzbereitschaft noch nicht den gewünschten Zustand erreicht hat. Als Konsequenz werden Umplanungen in der Bereitstellung von Kräften für den Ausbildungs-, Übungs- und Einsatzbetrieb weiterhin nicht zu vermeiden sein. Die Last tragen regelmäßig die Besatzungen, für die der Dienst in der Flotte kaum langfristig planbar ist.
Beispielhaft hierfür ist der erforderliche erneute Einsatz der Fregatte „LÜBECK“ im 4. Quartal 2020 zur angewiesenen Teilnahme am militär-politisch relevanten INDIAN OCEAN NAVAL SYMPOSIUM. Die mangelnde materielle Verfügbarkeit alternativer Plattformen und der neuer Einsatzauftrag EU NAVFOR MED IRINI erforderten die Streichung der einsatzvorbereitenden Ruhepause vor der geplanten Teilnahme „LÜBECK“ in einem Ständigen Einsatzverband der NATO ab Januar 2021. Die Einheit befand sich zuvor bis Ende April 2020 im Einsatz mit dem Französischen Flugzeugträger CHARLES DE GAULLE und muss danach noch bis September 2020 an verschiedenen Ausbildungsabschnitten zum Erhalt der Einsatzfähigkeit LV/BV teilnehmen.

Die nächste größere Auslandsreise für die „Lübeck“ , das ist im Rüstungsbericht erwähnt, ist das von Frankreich organisierte Indian Ocean Naval Symposium, das im November auf La Reunion stattfinden soll. Allerdings war es wegen der Coronavirus-Pandemie bereits einmal verschoben worden; ob es nun im November tatsächlich stattfindet, dürfte angesichts der Entwicklung auch in den französischen Überseegebieten noch offen sein.